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Nürnberger Nachrichten

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Das Jahr 1961

Artikel in den Nürnberger Nachrichten am 21.03.1961
Neuer Platz – ein »Irrgarten«?


Die große Drehscheibe vor dem Nordostbahnhof steht jetzt in der Kritik der Kraftfahrer - Ein neues Modell vom Leipziger Platz dient den Planern zur Rechtfertigung - Acht Straßen laufen hier zusammen und mußten »gebündelt« werden – Der Kreis macht es den Fahrern schwer, sich zu orientieren – »Die beste aller Möglichkeiten ...«

Die große Drehscheibe vor dem Nordostbahnhof ruft die ersten Kritiker auf den Plan, bevor sie noch ihren allerletzten Schliff erhalten hat. Autofahrer bezeichnen den Leipziger Platz in seiner jetzigen Form als einen „Irrgarten“ und ein „unübersehbares Labyrinth“.

Ein neues Modell dieses Platzes, der künftig durch zwei moderne Bauwerke noch besondere Akzente bekommen wird, beleuchtet hingegen, daß sich die Städteplaner gerade an diesem Schnittpunkt von acht Straßen den Kopf heftig zerbrochen haben. Aber auch sie müssen vorerst eingestehen, daß noch manches zu bessern bleibt.

„Fremde und einheimische Fahrer mögen etwas stutzen, wenn sie zum erstenmal über den neugestalteten Platz kreuzen“, muß Oberbaurat H. v. Hanffstengel gestehen; „der Kreisplatz hat den Nachteil, daß man sich nicht so leicht orientieren kann!“ Andererseits sei aber schon vor 20 und noch mehr Jahren festgelegt worden, welche Straßen auf diesen Platz kommen. „Das hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet“, sagt der Stadtplaner selbst. Er glaubt jedoch, daß mit der neuen Lösung die beste aller Möglichkeiten getroffen worden ist.

Unbelastet von dem Wissen um frühere Planungen und dem Kopfzerbrechen der Verantwortlichen wettern die Kraftfahrer darauf los, sobald sie auf den neuen Wegen stutzen müssen. „Es war falsch, die Leipziger Straße durch diese Lösung ganz zu sperren; da fängt schon das Fahren von Umwegen an“, sagen die einen, während die anderen bemängeln, daß ihre Aufmerksamkeit fast auf jedem Meter von einer einmündenden Straße oder von irgendwelchen Verkehrszeichen beansprucht wird. Das Nebeneinander von mehreren Fahrbahnen oder Einbahnregelungen rufen weitere Kritik hervor. In den härtesten Fällen gipfelt sie in der Feststellung: „Da hätte man alles gleich beim alten lassen und etliche hunderttausend Mark sparen können!

Freilich sehen die Planer ihre Arbeit in einem anderen Licht. „Mit der Leipziger Straße ist die Fahrbahn mit der geringsten Bedeutung abgeschnitten worden“ erklärt von Hanffstengel. Dadurch sei es gelungen, das ganze Wohnviertel vom Durchgangsverkehr zu verschonen und den Autofahrern zwei scharfe Kurven hintereinander zu ersparen. Das entscheidende Problem habe darin bestanden, die acht Straßen an der Bayreuther Straße zu einer einzigen Ein- und Ausfahrt zusammenzufassen. Dabei mußte noch die Wendeschleife der Straßenbahn so günstig eingebaut werden, daß sie zwischen zwei Fahrbahnen liegt und den übrigen Verkehr nicht stört.“

Was die Kraftfahrer heute noch nicht wissen können und vorerst Zukunftsmusik ist: die wichtigste Verkehrsader in diesem Gebiet wird die Kießlingstraße, die zur Eichendorffstraße und weiter bis Erlenstegen durchgebaut wird. Von diesem Tag an wird sogar noch die Mommsenstraße als Verbindung zum Thumenberger Weg an Bedeutung verlieren. Daß diese beiden großen Züge an den Kreis angeschlossen und nicht geradlinig zur Bayreuther Straße durchgeführt worden sind, sollte eigentlich der Bequemlichkeit der Kraftfahrer dienen, die besser einen Bogen nehmen als rechte Ecken fahren können. Diese Lösung hat wiederum zu den Inseln geführt, an denen sich heute ebenfalls der Funke der Kritik entzündet, weil jeder glaubt, diese Flächen seien der Fahrbahn abgezwackt. „Wir mußten das tun, damit die Fahrflächen nicht zu groß und unübersichtlich ausfallen“, erläutert der Oberbaurat. W. S..




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