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Nürnberger Nachrichten


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Das Jahr 1962

04. März 1962
Bunte Richtkrone über St. Lukas


Zahlreiche Gläubige beim Richtfest für ein neues Gotteshaus am Nordostbahnhof.

Nürnberg - Wieder nimmt ein moderner Kirchenneubau in Nürnberg Gestalt an. Die große Anteilnahme der Mitglieder der evangelischen St.-Lukas-Gemeinde an dem Richtfest für ihr Gotteshaus an der Ecke Leipziger- und Wartburgstraße bewies, wie sehr man sich darüber freut, noch im Herbst dieses Jahres aus der kleinen provisorischen Notkirche in einen großzügigen Neubau umziehen zu können.

Schon gestern konnten sich die Gäste davon überzeugen, daß sich die wuchtige Hallenkirche gut in das enge Wohngebiet südlich des Nordostbahnhofes einfügt. Wenn auch bisher nur die Backsteinmauern stehen und lediglich ein Teil des Stahlfaltdaches mit Holzlatten eingedeckt ist, so wurde doch deutlich, wie das hoch aufstrebende und dabei flache Dach die Reihenhäuser überragt und dadurch die Kirche zum dominierenden Mittelpunkt wird.

In den länglichen sechseckigen Kirchenraum, der 600 Personen Platz bieten wird, schwingt sich eine niedrige Empore weit hinein. Gegenüber gibt hoch über dem Altar nach Norden zu ein eigenwilliges Fenster in der stilisierten Form eines wuchtigen Engels der nüchternen Innenfassade das Gepräge. Die hohen Fensterfronten auf den beiden Längsseiten werden von strengen breiten Betonrippen unterbrochen und können durch rechteckige bunte Glasflächen einmal viel Licht hereinlassen.

Die Außenmauern erhalten eine Verkleidung aus schneeweißen länglichen Platten, so daß ein starker farblicher Kontrast zu den umliegenden Wohnhäusern entsteht. Der Turm, der neben fünf Glocken auch mehrere Jugendräume beherbergen soll, ragt noch freistehend empor. Er soll jedoch später durch einen Brautraum mit dem Hauptbau verbunden werden.

Ein weiterer Jugendraum ist zusammen mit der Sakristei auf der Nordseite vorgesehen. Die Bauleitung hofft, daß der am 25. Mai 1961 begonnene Kirchenneubau heuer im Spätherbst eingeweiht werden kann. Für die Bauarbeiten sind etwa 750 000 DM veranschlagt.

Außerdem muß die Gemeinde St. Lukas für die Inneneinrichtung, für Glocken, Orgel, Altar, Kanzel und Gestühl, noch 200 000 DM aufbringen. Für diesen Zweck werden „Bausteine“ verkauft und Spenden erhofft.

In dem von Posaunenklängen und einem gemeinsamen Choral eingeleiteten Richtfest dankte Dekan Kirchenrat Fritz Kelber für die Gesamtkirchenverwaltung allen am Bau Beteiligten und hob die gute Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden und der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft hervor. Der Geistliche nannte es „eine wunderbare Sache“, daß die Kirche in Nürnberg gegenwärtig so viele Gotteshäuser bauen könne, wie nie zuvor in ihrer Geschichte.

Aufgabe der Gemeinden sei es nun aber, diese Kirchen auch zu füllen, damit sie keine leeren Gehäuse bleiben. In diesem Sinne erbat der Dekan den Segen für alle, die in der neuen St.-Lukas-Kirche mithelfen, „Gottes Haus“ zu bauen. Herzliche Gruß- und Dankesworte richtete Pfarrer Werner Nothnagel an die Gäste, wobei er besonders die Verdienste des verantwortlichen Architekten, Regierungsbaumeister Hans C. Reissinger aus Bayreuth hervorhob.

Zu Beginn der Feier hatte ein Zimmerpolier nach gutem alten Handwerksbrauch in wohlgereimten Versen Bedeutung und Bestimmung des Kirchenneubaues umrissen sowie auf alle Verantwortlichen und Mitarbeiter ein Hoch ausgebracht.

Die traditionellen drei Gläser zersplitterten nur wenige Meter von den Gästen auf dem Betonboden, wo künftig der Altar stehen wird. Mit einem gemeinsamen Vaterunser und dem alten Choral „Nun danket alle Gott“ fand die Hebefeier einen würdigen Abschluß. Anschließend sprach Rechtsanwalt Dr. Rathje während eines kleinen Imbisses allen Beteiligten die Anerkennung des Kirchenvorstandes aus.




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