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Das Jahr 1962

8. März 1962
Gewandte Schüler auf dem Eis


Die zahlreichen Mitwirkenden beim Eissportfest präsentierten sich nochmals dem Publikum. Nach lebhaft beklatscheten Wettbewerben nahmem die jungen Amateure auf dem glatten Eisparkett die Auszeichnungen und Geschenke entgegen. Sie alle, die Eishockey-Mannschaften, die Schnellläufer und die Tänzerinnen, versammelten sich nach den harten Kämpfen einträchtig zur Schlussaufstellung.

NÜRNBERG - Mehr als einmal geriet gestern vormittag das jubelnde Schulvölkchen aus dem Häuschen, als sich auf dem glatten, glitzernden Eisparkett des Lindestadions das spannende, abwechslungsreiche Sportfest der Schuljugend abspielte. Alles, was die arg strapazierten Lungen hergaben, wurde eingesetzt, um von den überfüllten Rängen her die fair kämpfenden Buben und Mädel lautstark anzufeuern.

Bei strahlendem Sonnenschein, umtost von den Begeisterungswogen eines erwartungsvollen Publikums, eröffnete Schuldirektor Friedrich Ruthel diese kleine Leistungsschau der jungen, eifrigen Eiskünstler, die ihren Lehrern wieder einmal beweisen wollten, wie sicher und elegant sie sich noch auf dem glattesten Boden bewegen können.

Mit großem Fleiß und viel Ausdauer haben sie die Wintermonate über probiert, haben die trickreichsten Kunststücke der „Großen“ an- und abgeschaut und standen nun, mehr vor Aufregung als vor Kälte zitternd, an der Bande der Eisarena: ungeduldig erwarteten die kleinen Amateure das Startkommando, das ihnen endlich die Bahn freigeben sollte. Und mit wieviel Elan legten sie sich dann ins „Zeug“! Mit Kämpfermut wurden die Kurven „gekratzt“, wurde der Puck mit hartem Schlag in die gegnerische Hälfte getrieben, als sich die beiden Eishockey-Mannschaften gegenüberstanden.

Zwar ging es dabei nicht um Leben und Tod, aber die sechs grün-bedreßten Jungen der Stadtauswahl wollten dem favorisierten Stadtmeister von der Schule Bismarckstraße unbedingt zeigen, was eine „Harke“ ist. Immer wieder stürmten und drängten sie nach vorne, pausenlos rollten ihre Angriffe, bis endlich ihr Stürmergeist belohnt wurde, und der schnelle Puck zum 1:0 ins Netz schoß.

Mit südländischem Temperament gratulierten die Grünjacken ihrem erfolgreichen Torschützen, und da sie das zweite Drittel torlos überstanden und ihnen auch im Schlußgang noch ein bejubelter Treffer gelang, stand der Sieg nahezu sicher. Anspornende Sprechchöre gellten durch das Stadion, eine einzelne Trompete erreichte Jericho-Stärke: das war nahezu Weltmeisterschaftsatmosphäre! So spannungsgeladen verrannen die Schlußminuten, daß im Übereifer des Gefechts sogar einige Fouls unterliefen und verschiedene Spieler für Minuten „nachsitzen“ mußten. Schließlich nach dem Schlußpfiff standen sie sich aber versöhnt gegenüber und schüttelten sich herzlich die Hände. Nicht weniger aufregend wurde die Schnellaufmeisterschaft, bei der vier Sportbezirke um den Siegeslorbeer sprinteten. Nach zwei temperamentvollen Vorläufen standen endlich die Auserwählten gespannt nebeneinander und rasten nach dem Startkommando so waghalsig in die Kurven, daß die Eissplitter nur so stoben.

Glückstrahlender Sieger war Manfred Aschenbrenner von der Schule Heroldsberger Weg, der mit 35,8 Sekunden nur Nasenlängen vor seinem Schulkameraden Klaus Nutz (36,0 Sekunden) die „heiße“ Dreirunden-Jagd beendete. Lockere, ungemein graziöse Zwischenspiele boten die kleinen Stars des Eislaufs, die hier bei beschwingter Musik ihr ganzes Können aufboten: Anka Burg, Jeanette Müller, Sieglinde Obermeier und Ruth Bernhard vergaßen Lampenfieber und zeigten bei den Kürübungen exakte überzeugende Tanzfiguren. Sonderapplaus erhielt für ihren Kosakentanz die kleine Angelika Wagner, die bei der deutschen Meisterschaft den fünften Platz belegte.

Als „große“ Gäste erschienen dann Rita Blumenberg und Werner Mensching, die einen akrobatischen „modernen Tanz“ aufs Parkett legten und von tosendem Beifall überschüttet wurden. Runden- und Pendelstaffeln sowie eine Ballstaffette, die Knaben, Mädchen und Lehrer in Idealkonkurrenz zeigte, verschafften dieser flotten Eisschau neue Höhepunkte. Bei der Siegerehrung, zu der sich alle Beteiligten auf der Eisfläche versammelten, um Buchprämien, Siegesplaketten und andere Preise in Empfang zu nehmen, konnten die beiden Leiter, Rektor Martin Daffner und Lehrer Fritz Ortegel, mit Stolz auf diesen gelungenen Leistungsquerschnitt zurücksehen, von dem Schuldirektor Friedrich Ruthel sagte, daß sich jeder dadurch anregen lassen solle, selbst die Schlittschuhe anzuschnallen.


Quelle: »Gewandte Schüler auf dem Eis« www.nordbayern.de | zum Originalartikel