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Das Jahr 1986

Artikel in der Nürnberger Zeitung am 5. Januar 1986
Wo einst die Straßenbahn wendete


Nürnberg - Vor 50 Jahren wurde der Leipziger Platz im Nordosten Nürnbergs zum Knotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr. Das hat sich bis heute nicht geändert. Allerdings sind das Erscheinungsbild des Platzes und die Linienführung der Verkehrsmittel, einst Straßenbahn, jetzt U-Bahn, völlig verändert. Ein Blick zurück entlang der Streckenführung.

Der Bereich um den Nordostbahnhof wurde schon frühzeitig von der Straßenbahn erschlossen, jedoch in mehr tangentialer Form. Da nördlich der Ringbahn die Besiedlungsdichte einst stark abnahm, endete die Straßenbahn aus Richtung Hauptbahnhof in den Anfangsjahren bereits südlich des Nordostbahnhofs in der Äußeren Bayreuther Straße; erst 1918 wurde die Strecke bis Herrnhütte und 1926 nach Ziegelstein verlängert. Direkt zum Nordostbahnhof führte seit 1918 ein kurzes Stichgleis.

Dieses war natürlich wenig leistungsfähig. Als dann in den 1950er-Jahren die ersten vierachsigen, für Einrichtungsbetrieb konzipierten Straßenbahn-Großraumwagen auf Nürnbergs Gleisen erschienen, konnten diese am Nordostbahnhof nicht stumpf wenden. So lag es nahe, dort am Leipziger Platz eine moderne zweigleisige Wendeschleife anzulegen; am 27. Dezember 1960 wurde sie eröffnet. Dank der vorausschauenden Planung konnte von dort auch die am 2. Juli 1962 in Betrieb genommene Verbindung über die Elbinger Straße zum einstigen Betriebshof Nordost problemlos angebunden werden. Nun hatten die Straßenbahngleise um den Leipziger Platz für viele Jahre ihren Endausbau-Zustand erreicht. Die Linie 15 war hier im Einsatz

1972 wendete über die Nordostbahnhof-Schleife beispielsweise die Linie 15 mit dem u-förmigen Laufweg Nordostbahnhof – Rathenauplatz – Hauptbahnhof – Plärrer – Friedrich-Ebert-Platz – Bucher Straße / Nordring (und zurück). Vom 28. September 1980 an war die Schleife genau elf Jahre lang nördlicher Wendepunkt der Linie 13 – anfangs von Schweinau, zuletzt von der Bayernstraße aus.

Mit dem fortschreitenden Bau der U-Bahn in den Nürnberger Norden war das Ende der Straßenbahn vom Stadtpark zum Nordostbahnhof bzw. nach Ziegelstein besiegelt. Ab 28. Januar 1996 entfiel die Ziegelsteiner Straßenbahnlinie 3 und wurde – zunächst bis Herrnhütte – durch die U-Bahnlinie U2 ersetzt. Zwischen Stadtpark und Senefelderstraße benötigte die VAG die Straßenbahngleise allerdings noch zum Anschluss des damaligen Betriebshofes Nordost an der Äußeren Bayreuther Straße. Doch auch dessen Existenz neigte sich ihrem Ende zu. Die VAG beabsichtigte den Neubau einer modernen Schwerpunktwerkstatt mit Abstellraum für Straßenbahnfahrzeuge an der Katzwanger Straße, so dass der Betriebshof Nordost mittelfristig aufgegeben werden konnte.

Wegen des engen Zeitplans des künftigen Investors um das Gelände von Straßenbahndepot und altem Linde-Stadion – heute steht hier das Mercado-Einkaufszentrum – musste die VAG den Betriebshof Nordost schneller als ursprünglich vorgesehen bereits zum 31. März 2001 geräumt haben. Seither endet das Straßenbahnnetz im Nürnberger Nordosten an der Stadtparkschleife.

Weite Teile des Leipziger Platzes hatten bereits durch den Bau des U-Bahnhofs Nordostbahnhof eine völlige Umgestaltung mit weiteren Gebäuden erfahren, unter anderem entstand dort das markante „Delphinhaus“. Und nachdem am 1. Februar diesen Jahres (2010) auch noch das „acom“-Hotel eröffnet wurde, liegen zwischen dem Aussehen des Leipziger Platzes von 1985 und 2010 geradezu Welten. Die alte Straßenbahntrasse Richtung Zentrum wurde zu einem „grünen Band“, nachdem die Gleise entfernt wurden.


Quelle: Nürnberger Zeitung »Wo einst die Straßenbahn wendete« | zum Originalartikel