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Das Jahr 2014

Artikel in Nürnberger Nachrichten vom 15. Mai 2014
Stehen die Ringbahn-Pläne auf der Kippe?


Nürnberg/Fürth - Per Bahn von Gräfenberg bis Cadolzburg ohne Umsteigen fahren - darauf warten viele Pendler schon lange. Die Idee, die Gräfenberg- mit der Rangaubahn zu verbinden, ist nicht neu. Sie wird gerade wieder entfacht durch zwei Gutachten. Allerdings kommen diese zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Idee hat Nürnberger Verkehrsplaner und Politiker entzückt: Die Gräfenbergbahn könnte über ein Teilstück in Nürnberg mit der Rangaubahn verbunden werden. Wer also in Gräfenberg einsteigt, würde über Nürnberg-Nordost, Fürth bis nach Cadolzburg kommen, ohne umzusteigen. Auf dem Teilstück, ein Abschnitt der alten Ringbahn, fahren heute noch unregelmäßig Züge. Dann, wenn der Verein „Fränkische Museums-Eisenbahn“ Fahrten mit der Dampflok anbietet oder die Diesellok der Gräfenbergbahn in Fürth aufgetankt werden muss.

Die Stadt beauftragte Gutachter aus Aachen, im Rahmen des Nahverkehrsentwicklungsplans neben anderen auch diese Variante zu prüfen. Mit einem überraschenden Ergebnis: Die Experten kamen auf einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,57. Ein Vergleich: Der Wert für die ebenfalls untersuchte Altstadtquerung liegt bei 1,61. Alles, was über 1,0 liegt, ist zuschussfähig. Die Investition für die Verbindung schätzten die Sachverständigen auf 20 Millionen Euro.

Daraufhin beauftragte der Stadtrat Ende 2011 die Verwaltung, mit dem Zweckverband VGN (ZVGN), der Deutschen Bahn und mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) Gespräche aufzunehmen. Bis heute warten die Fraktionen auf eine Antwort. SPD-Stadtrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender Thorsten Brehm hat nun einen Antrag gestellt und fordert Aufklärung. Klar ist: Der Ball liegt derzeit bei der BEG. Sprecherin Sandra Höldl: Der Abschlussbericht sei noch nicht fertig. Weitere Auskünfte gebe es nicht.

NN-Recherche: Anderes Gutachten, andere Zahlen

Recherchen der Nürnberger Nachrichten haben nun ergeben, dass die BEG in einem weiteren Gutachten zu ganz anderen Ergebnissen kommt als der Nahverkehrsentwicklungsplan. Nach deren Berechnung liegt der Kosten-Nutzen-Faktor nicht bei 1,57, sondern bei -0,34. Überdies rechnet die BEG mit Investitionen in Höhe von 34 Millionen statt 20 Millionen Euro.

Also aus der Traum? Auf Anfrage räumt auch Manfred Rupp, Sprecher des ZVGN, dem Projekt nur noch geringe Chancen ein. Die Variante wurde beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg aber durchgespielt. Nach aktuellen Plänen würde es auf der 8,7 Kilometer langen Gleisstrecke zwischen Nordostbahnhof und Fürth drei neue Bahnhöfe geben: Nürnberg- Nord, Thon und Wetzendorf. Im Zuge der Entwicklung sollte auf der Linie der Gräfenbergbahn auch der seit den 80er Jahren stillgelegte Haltepunkt in Buchenbühl reaktiviert werden. In Thon würde es Anschlüsse an Bus und Straßenbahn geben, in Wetzendorf endet demnächst der Nordast der U-Bahn-Linie3 mit einer Station.

Züge würden schneller fahren

„Aber in diesem Streckenabschnitt wären umfangreiche Ausbaumaßnahmen erforderlich“, so Rupp, und er zählt auf: der Bau der Bahnhöfe, der Ausbau des Nordostbahnhofs zum Knotenpunkt, der Abschnitt müsste ertüchtigt werden (derzeit sind nur 40 bis 50 km/h möglich). Darüber hinaus fehlen Signal- und Sicherungstechnik sowie Lärmschutz.

Dabei stehen die betroffenen Städte und Landkreise dem Verkehrsprojekt eher positiv gegenüber. Beispiel: Fürth. Im dortigen Bauausschuss ist das Projekt auf breite Zustimmung gestoßen. Auch in Nürnberg ist die Position klar. „Diese Maßnahme ist nicht nur wünschenswert, es wird auch dringend empfohlen, sie weiterzuentwickeln“, meint Frank Jülich, Leiter des städtischen Verkehrsplanungsamtes.

Eine Erklärung für die Differenz der Kosten-Nutzen-Faktoren in beiden Gutachten hat er allerdings nicht, er wundert sich selbst darüber. „Möglicherweise schlägt hier der Lärmschutz kräftig zu Buche“, mutmaßt er. Die Untersuchung der Aachener Ingenieure zur Verbindung der Gräfenberg- mit der Rangaubahn hat jedenfalls ergeben, dass im Falle einer Realisierung „mit einem sehr hohen Fahrgastaufkommen zu rechnen sei“. Jülich will deshalb den Abschlussbericht der BEG, sobald dieser auf dem Tisch liegt, genau hinterfragen.

Stadtrat Thorsten Brehm wundert sich auch über die Ergebnisse der BEG. „Wenn das so aussichtslos sein soll, hätten uns die Gutachter für den Nahverkehrsentwicklungsplan das doch gesagt.“

Quelle: »Stehen die Ringbahn-Pläne auf der Kippe?« unter nordbayern.de | zum Originalartikel


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